Um sich dem Thema Geschäftsführerhaftung zu nähern, muss man zunächst einige grundsätzliche rechtliche Begriffe klären. So sind im rechtlichen Sinne natürliche und juristische Personen zu unterscheiden.

Der Begriff „natürliche Personen“ meint dabei Menschen, die grundsätzlich von Geburt an bis zu ihrem Tod rechtsfähig sind – sie können also Träger von Rechten und Pflichten sein. Beispielhaft können natürliche Personen klagen und verklagt werden oder Eigentum an etwas begründen. Bestimmten Vereinigungen, Zusammenschlüssen und Organisationen gesteht die Rechtsordnung jedoch ebenfalls die Rechtsfähigkeit zu. Diese nennt man dann juristische Personen. So ist etwa eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) nach § 13 des GmbH-Gesetzes eine juristische Person. Sie kann also selbstständig klagen und verklagt werden oder Eigentum begründen.

Auf die Organisationsform der GmbH wird vor allem immer wieder deshalb zurückgegriffen, da sie eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft darstellt, die nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen haftet. Grundsätzlich findet also kein Rückgriff auf das Privatvermögen der Gesellschafter statt – dieses wird nur in Ausnahmefällen angetastet.

Allerdings benötigt eine GmbH dennoch immer eine natürliche Person, um tatsächlich handeln zu können. Nach § 35 GmbH ist dies der Geschäftsführer, der die Gesellschaft gerichtlich und außergerichtlich vertritt – im juristischen Sinne spricht man hier auch von einem vertretungsberechtigten Organ. Zeitgleich ist der Geschäftsführer Angestellter der GmbH – er muss also nicht Gesellschafter sein – und hat somit eine Doppelstellung inne. Vereinfacht gesagt vertritt der Geschäftsführer ganz allgemein die Interessen der GmbH und versucht diesen zur Durchsetzung zu verhelfen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass der Geschäftsführer als Verwalter von „fremden“ Interessen selbst nicht haftungsbeschränkt ist – dies ist nur die Gesellschaft. Im Extremfall kann ein Geschäftsführer also mit seinem gesamten Vermögen haften. Darum muss ein Geschäftsführer stets darauf achten, die ihm auferlegten Pflichten zu wahren.

Praxishinweis

Ausbleibender wirtschaftlicher Erfolg ist für sich genommen jedoch gerade keine Sorgfaltspflichtverletzung des Geschäftsführers. Insoweit kann er also auch nicht haftbar gemacht werden. Auch wird bei der Beurteilung der Sorgfaltspflichten nicht auf die tatsächlichen Möglichkeiten des Geschäftsführers abgestellt (etwa aufgrund seiner Berufserfahrung oder seiner Qualifikation), sondern auf das, was man in objektiver Hinsicht von einem Geschäftsführer verlangen kann. Dies kann je nach Situation übrigens auch das Einholen einer Expertise eines Dritten sein, wenn man selbst also gerade nicht über das nötige Fachwissen in einem speziellen Bereich verfügt.

Wie zuvor dargestellt, ist das Ausbleiben eines wirtschaftlichen Erfolges allein gerade keine Sorgfaltspflichtverletzung. Etwas anderes kann sich natürlich dann ergeben, wenn der Misserfolg gerade auf einer solchen Pflichtverletzung beruht – etwa weil der Geschäftsführer ein hochriskantes Geschäft ohne entsprechende Prüfung getätigt hat. Zwar beinhalten alle unternehmerischen Entscheidungen stets ein gewisses Risiko. Aber: Je riskanter eine Entscheidung ist, desto gewissenhafter muss die zugrundeliegende Prüfung ausfallen, ob die entsprechende Entscheidung zu vertreten ist. Das Unterlassen solcher Maßnahmen kann im Einzelfall zur Geschäftsführerhaftung führen.

Praxishinweis

Eine schematische Betrachtungsweise verbietet sich bei der Beurteilung, stattdessen muss immer auf den Einzelfall abgestellt werden. So existieren zahlreiche Urteile, die einen gewissen Rahmen abstecken, aber nur selten eins zu eins auf andere Sachverhalte übertragen werden können. Beispiele für sorgfaltspflichtwidriges Handeln sind etwa das Verjährenlassen von Forderungen der Gesellschaft oder der Verrat von Betriebsgeheimnissen. Auch evidente Fehlkalkulationen können hier einschlägig sein.

Wie zuvor dargestellt, ist das Ausbleiben eines wirtschaftlichen Erfolges allein gerade keine Sorgfaltspflichtverletzung. Etwas anderes kann sich natürlich dann ergeben, wenn der Misserfolg gerade auf einer solchen Pflichtverletzung beruht – etwa weil der Geschäftsführer ein hochriskantes Geschäft ohne entsprechende Prüfung getätigt hat. Zwar beinhalten alle unternehmerischen Entscheidungen stets ein gewisses Risiko. Aber: Je riskanter eine Entscheidung ist, desto gewissenhafter muss die zugrundeliegende Prüfung ausfallen, ob die entsprechende Entscheidung zu vertreten ist. Unterlässt er dies, kann er haftbar gemacht werden.

Praxishinweis

Geschäftsführer einer GmbH sollten sich den Chancen und Risiken ihrer Tätigkeit stets bewusst sein und sich im Vorfeld qualifizierten Rat unter Zuhilfenahme eines spezialisierten Rechtsanwalts einholen. So lassen sich bereits im Vorfeld wichtige Weichen stellen, um späteren Komplikationen aus dem Weg zu gehen. So ist etwa eine Haftungsbeschränkung des Geschäftsführers im Arbeitsvertrag möglich. Bei besonders wichtigen Entscheidungen sollte man sich zudem stets die Expertise eines fachkundigen Dritten einholen. Auch der Abschluss einer speziellen Haftpflichtversicherung kann abhängig vom konkreten Einzelfall sinnvoll sein.