Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Gesellschaftern bei der Bestimmung des Abfindungsanspruchs für eingezogene Geschäftsanteile. Auch wenn die meisten Gesellschaftsverträge eine ausdrückliche Regelung zu der Frage der Abfindung treffen, besteht nur selten Einigkeit über die Abfindungshöhe. Über die Jahre hinweg hat auch die unüberschaubare Judikatur ihren Beitrag dazu geleistet. Wiederholt beschloss der Bundesgerichtshof, dass bestimmte Berechnungsmethoden rechtswidrig sind, weil diese zu einem Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen Verkehrswert der Anteile und der berechneten Abfindungshöhe der eingezogenen Geschäftsanteile führen. Dabei hat der Bundesgerichtshof die einzelnen Klauseln nicht per se für unzulässig erklärt. Vielmehr hat er immer auf den Einzelfall abgestellt, was dazu führte, dass viele Gesellschaftsverträge – insbesondere ältere Gesellschaftsverträge – bis heute Abfindungsklauseln beinhalten.

Folgender Fall soll ein Beispiel präsentieren, bei dem die Gesellschafter einen Versuch unternommen haben, eine klare Regelung zur Berechnung der Abfindungshöhe zu treffen. Wobei sie jedoch nicht das überdurchschnittliche wirtschaftliche Wachstum des Unternehmens bedacht haben.

„Ohne Zustimmung des betroffenen Gesellschafters kann die Einziehung von Geschäftsanteilen eines Gesellschafters in den nachfolgenden Fällen beschlossen werden: 

[…]

In der Person des Gesellschafters liegt ein wichtiger Grund vor, der die Ausschließung rechtfertigt; ein solcher Grund ist gegeben, wenn ein weiteres Verbleiben des Gesellschafters in der Gesellschaft für diese untragbar ist, insbesondere wenn der Gesellschafter eine ihm nach dem Gesellschaftsvertrag obliegende wesentliche Verpflichtung vorsätzlich oder aus grober Fahrlässigkeit verletzt oder sonst durch sein Verhalten die Gesellschaftsinteressen erheblich geschädigt hat.

[…]“

Der Gesellschaftsvertrag aus dem Jahr 2005 wurde zwar in diversen Aspekten im Laufe der Zeit überarbeitet und ergänzt, aber die Abfindungsklausel blieb immer unverändert. Die Abfindungsklausel hat folgenden Wortlaut:

„(1) Ein ausscheidender Gesellschafter wird für seine Ansprüche in Geld abgefunden. Dem aus der Gesellschaft ausscheidenden Gesellschafter steht ein Abfindungsguthaben in Höhe seines Anteils am Gesellschaftsvermögen zu. Maßgebend ist die Bilanz des Ausscheidensstichtages. Das Guthaben des Ausscheidenden entspricht seinem in dieser Bilanz ausgewiesenen Kapitalanteil.

(2) Besteht zum Zeitpunkt des Ausscheidens ein dem ausscheidenden Gesellschafter unzumutbares Missverhältnis zwischen dem nach obigen Grundsätzen ermittelten Abfindungswert und dem wirklichen Wert der Beteiligung, bemisst sich die Abfindung des ausscheidenden Gesellschafters nach dem gemeinen Wert seines Anteils, der sich unter Anwendung des sog. Stuttgarter Verfahrens errechnet.“

Zum Zeitpunkt des Ausscheidens des A aus der Gesellschaft betrug der Verkehrswert des Unternehmens das Fünfzigfache des Nominalwerts. Aufgrund der Einführung des neuen Produkts im Jahr 2014, schrieb das Unternehmen in den Jahren 2014, 2015 und 2016 planmäßige Verluste.

A ist zwar mit dem Ausschluss nicht einverstanden, sieht aber seine Erfolgsaussichten gegen den Ausschluss aus der Gesellschaft als sehr gering. Stattdessen möchte A sich auf die Frage der gesellschaftsrechtlichen Abfindung, die ihm möglicherweise zusteht, konzentrieren.

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„Bei der Auslegung der Bestimmungen über die Abfindung eines ausscheidenden Gesellschafters im Gesellschaftsvertrag einer GmbH ist zu berücksichtigen, dass die am Gesellschaftsvertrag beteiligten Personen im Zweifel eine auf Dauer wirksame und die Gesellschafter gleichbehandelnde Berechnung der Abfindung gewollt haben.“

Um die genaue Höhe der Abfindung zu bestimmen, spielen die bereits oben erwähnten Faktoren eine wichtige Rolle. Besonders wichtig ist dabei die Dauer der Mitgliedschaft in der Gesellschaft. A war seit dem ersten Tag an der Gesellschaft beteiligt. Er war seit über 10 Jahren an dem Unternehmen beteiligt und war für dieses bis 2014 persönlich tätig. A hat auch seinerseits einen großen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens geleistet. Nicht außer Betracht kann die aktuelle finanzielle Situation des Unternehmens gelassen werden. Das Unternehmen schreibt seit drei Jahren Verluste und befindet sich zurzeit in einer schwierigen Situation. In Anbetracht aller Umstände erscheint hier ein Mittelwert zwischen dem tatsächlichen Verkehrswert und der nach der Auffangklausel vereinbarten Abfindung interessengerecht.