Wann und wie kann ich einen Kaufvertrag anfechten? Dieser Beitrag soll Klarheit über die Anfechtung verschaffen.

Beispiel

Eine Schule bestellte „25 Gros Toilettenpapier“ und dachte, 25 Doppelpackungen bestellt zu haben. „Gros“ ist eine alte Mengeneinheit und bedeutet „zwölf mal zwölf Stück“. Somit ging bei dem Verkäufer eine Bestellung über 25 mal 144 Stück Toilettenpapier ein. Die Schule irrte sich also über den tatsächlichen Inhalt ihres Kaufs und konnte den Vertrag anfechten.

Beispiel

Jemand bestellt versehentlich „100“ statt „10“ Stück.

Ähnlich ist der sogenannte Übermittlungsirrtum zu behandeln: Hier kommt es bei der Übermittlung der Willenserklärung durch einen Boten, die Post oder einen Dolmetscher zu einem Irrtum.

Beispiel

Der Dolmetscher übersetzt die Bestellung falsch.

Achtung! Haben Sie z. B. ein Gemälde gekauft, das Sie teuer weiterverkaufen möchten? Stellen Sie später frustriert fest, dass Sie sich verschätzt haben? Dann können Sie den Kaufvertrag nicht anfechten. Denn das ist nur ein sogenannter „Motivirrtum“ bzw. ein Irrtum über den vermeintlichen Wert der Sache.

Aber nicht nur wegen Irrtum kann man einen an sich wirksamen Kaufvertrag anfechten. Außerdem ist eine Anfechtung wegen Täuschung oder wegen Drohung ausdrücklich im BGB vorgesehen.

Beispiel

Ein Gebrauchtwagenhändler verkauft ein Unfall-Auto als „unfallfrei“, um einen höheren Preis zu erzielen. Ausschlaggebend ist, dass der Verkäufer den Käufer bewusst in die Irre führt, um ihn zum Vertragsschluss zu bewegen.

Beispiel

Ein Händler droht einem langjährigen Kunden an, rufschädigende Unwahrheiten über ihn zu verbreiten, wenn er nicht weiterhin bei ihm kaufe. Hierbei handelt es sich um eine widerrechtliche Drohung, die zur Anfechtung berechtigt.

Achtung! Wenn Sie einen Vertrag wegen Irrtum anfechten wollen, müssen Sie der anderen Vertragspartei ohne schuldhaftes Zögern, also unverzüglich, mitteilen, dass der Vertrag ungültig sein soll. Hier dürfen Sie nicht zu lange abwarten!