Der Strafverteidiger ist ein fester Bestandteil des Strafprozesses. Jeder Beschuldigte darf sich des Beistandes eines Verteidigers bedienen. Verteidiger nehmen im Gegensatz zu Richtern parteiisch und einseitig die Interessen des Beschuldigten wahr.

Der einseitige Beistand ist im Hinblick auf die Realität staatsanwaltschaftlichen Handelns ein Gebot der Waffengleichheit. Der Strafverteidiger stellt sicher, dass unter formalisierten und damit rechtlich komplizierten Bedingungen alle Entlastungsmomente Gegenstand des Prozesses werden.

„Es ist der Typ eines Verteidigers, der in der Regel formal durchaus korrekt verfährt, auch das Standesrecht beachtet, sich im Grunde aber dem traditionellen Ziel des Strafverfahrens nicht mehr verpflichtet fühlt oder mindestens doch die Bedeutung dieses Ziels im Spannungsverhältnis zu den Interessen seiner Mandanten kritischer gewichtet als früher; und der zudem (…) unserer Strafjustiz mit oft geradezu abgrundtiefer Skepsis gegenübersteht.“

Dieser – aus Beschuldigtensicht – ideale Strafverteidiger wird regelrecht durch die Justiz und dem Bundesgerichtshof (BGH) als Gefahr für die Strafjustiz angesehen. So führt der BGH im Jahr 2006 aus:

„[…] dass die Strafjustiz auf Dauer an ihre Grenzen stößt, wenn die Verteidigung in Strafverfahren, wie der Senat zunehmend beobachtet, zwar formal korrekt und im Rahmen des Standesrechts geführt wird, sich aber dem traditionellen Ziel des Strafprozesses, der Wahrheitsfindung in einem prozessordnungsgemäßen Verfahren, nicht mehr verpflichtet fühlt und die durch die Strafprozessordnung gewährleisteten Verfahrensrechte in einer Weise nutzt, die mit der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, den Angeklagten vor einem materiellen Fehlurteil oder (auch nur) einem prozessordnungswidrigen Verfahren zu schützen, nicht mehr zu erklären ist.“