Eine Unternehmensbewertung dient der Bestimmung des Wertes eines Gesamtunternehmens oder einzelnen Teilbereichen eines Unternehmens. Dabei haben sich für diesen Prozess bestimmte Grundbegriffe entwickelt: Bewertungslehre, Bewertungssubjekt und Bewertungsobjekt. Aufgrund der völlig unterschiedlichen Interessen bei der Bewertung eines Unternehmens haben sich unterschiedliche Ansätze zur Bestimmung des Werts eines Unternehmens entwickelt – vor allem die objektive, die subjektive und die funktionale Bewertungslehre. Unternehmensbewertungen werden vor allem bei Unternehmensverkäufen, Gesellschafterwechseln, Börsengängen und Insolvenzverfahren durchgeführt.

Je nach Größe des Unternehmens bieten sich verschiedene Institutionen für die Durchführung einer Unternehmensbewertung an. In Betracht kommen etwa Banken, Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberater. Grundsätzlich wird eine Unternehmensbewertung jedoch immer von externen Dienstleistern durchgeführt.

Motive

Es gibt verschiedenen Motive für die Durchführung einer Wertermittlung. Am häufigsten erfolgt dies, wenn eine Änderung der Eigentumsverhältnisse im Unternehmen bevorsteht. Soll ein Unternehmen verkauft werden, müssen sich Käufer und Verkäufer auf einen Kaufpreis einigen. In den meisten Fällen geschieht dies nach Abschluss einer Due- Diligence-Prüfung, die die Vermögens- Finanz- und Ertragslage des Unternehmens untersucht. Das gleiche gilt auch dann, wenn ein Investor nur Anteile erwirbt oder ein Gesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden will. Auch im Erbschaftsfall reicht es in der Regel nicht aus, nur den steuerlichen Einheitswert zu ermitteln. Will ein Erbe die Miterben auszahlen, erwarten diese in der Regel die Kompensation des wirtschaftlichen Werts ihres Anteils.

Des Weiteren kann eine Wertermittlung auch dann erforderlich werden, wenn ein Unternehmen Fremdkapital aufnehmen will und den Gläubigern nicht mit Sachwerten haften kann. Auch vor einem Börsengang steht regelmäßig die Ermittlung des Unternehmenswerts an, da dieser Faktor den Ausgabekurs der Aktien mitbestimmt.

Bewertungsmethoden

Mittlerweile gibt es zahlreiche Methoden zur Ermittlung des Werts eines Unternehmens. Einige davon sind wissenschaftlich fundiert, andere dagegen haben sich aus der betriebswirtschaftlichen Praxis heraus entwickelt. Bei den verschiedenen Methoden und Verfahren lassen sich in drei Grundtypen erkennen.

Substanzorientierte Methoden

Zu den ältesten Verfahren, die sich in Deutschland ab den 1950er Jahren durchzusetzen begannen, zählen die substanzorientierten Methoden. Im Rahmen dieser Vorgehensweise wird der Marktwert der einzelnen Vermögensgegenstände ermittelt. Maßstab ist dabei der Geldbetrag, der erforderlich wäre, um das Unternehmen zum Bewertungszeitpunkt in gleicher Qualität neu einzurichten. Der Substanzwert ergibt sich dabei aus der Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert der Vermögensgegenstände und den Schulden. Berücksichtigt werden dabei nur isoliert veräußerbare Werte. Immaterielle Vermögensgegenstände, die nicht bilanzierbar oder nicht separat veräußerbar sind, bleiben dabei unberücksichtigt. Nicht separat handelbar ist aber zum Beispiel der Handelsname, also die Firma, eines Unternehmens. Dieser Namen alleine kann aber bereits einen beträchtlichen Wert haben und sogar dazu führen, dass ein Unternehmen nur erworben wird, um die Firma nutzen zu können. Des Weiteren lässt dieser Ansatz auch das künftige Potential des Unternehmens völlig außer acht. Die substanzorientierten Methoden sahen sich deshalb schon früh heftiger Kritik ausgesetzt. Heute dienen sie allenfalls noch zur Ermittlung der Wertuntergrenze.

Ertragsorientierte Methoden

Die ertragsorientierten Methoden stellen nicht auf die Substanz ab, sondern fokussieren das Potential eines Unternehmens, zukünftige Gewinne zu erwirtschaften.
Dabei wird so vorgegangen, dass sowohl die Stärken und Schwächen den Unternehmens, als auch seine Chancen und Risiken analysiert und darauf gestützt eine Zukunftsprognose abgeleitet wird.

Im Mittelpunkt der Methode stehen dabei drei Fragestellungen:
Wie hoch ist der Gewinn, der künftig erwirtschaftet werden kann?
Welche Risiken müssen dafür in Kauf genommen werden?
Welcher Teil des künftigen Gesamtgewinns ist ausschüttungsfähig?

Zu den bedeutendsten ertragsorientierten Verfahren gehört neben der Discounted-Cash-Flow-Methode das in Deutschland weit verbreitete Ertragswertverfahren. Die ertragsorientierten Ansätze gelten heute als vorherrschend, auch wenn oftmals noch andere Methoden und Verfahren ergänzend herangezogen werden.

Vergleichsorientierte Methoden

Diese Methoden basieren auf der Prämisse, dass auf funktionstüchtigen Märkten für substantiell und strukturell vergleichbare Unternehmen auch vergleichbare Preise erzielt werden. Ausgangspunkt der Unternehmensbewertung ist bei diesen Methoden ein vergleichbarer Deal, der möglichst zeitnah stattgefunden hat und der Kaufpreis, der dabei zwischen den Parteien vereinbart worden ist. Vergleichsorientierte Methoden eignen sich meist nur als ergänzende Betrachtungsweise für kapitalmarktorientierte Unternehmen, da die Kaufpreise, die bei Transaktionen außerhalb geregelter Märkte erzielt werden, nur selten publik werden.

Moderne Verfahren der Unternehmensbewertung beruhen fast immer auf einem methodenpluralistischen Ansatz. Meist kommen wenigsten zwei oder drei Bewertungsverfahren zum Einsatz. Deren Ergebnisse bilden dann den Ausgangspunkt für die Preisverhandlung zwischen den Parteien.

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