Ein Fall der Pflichtverteidigung liegt vor, wenn eine der Voraussetzungen des § 140 StPO gegeben ist. Danach ist in bestimmen Fällen die Mitwirkung eines Verteidigers an einem Verfahren notwendig. Diese Vorschrift dient in erster Linie dem Schutz des Beschuldigten oder des Angeklagten. Dieser soll in Verfahren mit einer hohen Straferwartung oder einer komplizierten Sachlage dem Gericht und der Staatsanwaltschaft nicht ohne adäquate Beratung gegenüberstehen. Ein Fall der notwendigen Verteidigung liegt etwa vor, wenn die Hauptverhandlung vor einem Landgericht stattfindet, dem Beschuldigten ein Verbrechen vorgeworfen wird oder dieser in Untersuchungshaft sitzt.

Das Wort Pflichtverteidiger wird in der juristischen Laiensphäre oft falsch verstanden. Pflichtverteidigung meint lediglich, dass der Beschuldigte oder Angeklagte überhaupt verteidigt werden muss. Dieser kann sich jedoch seinen Rechtsbeistand selbst auswählen. Nur wenn er dies nicht tut, wird ihm ein Verteidiger vom Gericht gestellt.