Der Anglizismus Outsourcing bezeichnet das Auslagern beziehungsweise Übertragen von bestimmten Aufgaben oder Teilbereichen eines Unternehmens an einen externen Dienstleister außerhalb des Unternehmens. In der Praxis sind vor allem die Bereiche Kundenservice, Finanzdienstleistungen, Marketing und IT-Dienstleistungen klassische Anwendungsfelder. Aber auch das Verlegen von Arbeitsplätzen an andere Standorte erfährt eine stets zunehmende Relevanz.

Immer mehr Unternehmen machen sich die Vorteile des Outsourcings zunutze. Diese liegen vor allem in der Minimierung der Kosten durch eine Optimierung der Prozessabläufe eines Unternehmens. Zudem kann durch einen professionellen Dienstleister die Qualität der ausgelagerten Aufgabe oder des Teilbereiches gesteigert werden. Mit dem Outsourcing verbundene Nachteile sind vor allem die Abhängigkeit von dem Dienstleister sowie der Verlust von Unternehmensinterna.

Begriff Outsourcing

Der Begriff Outsourcing wurde in den 1950er Jahren in den USA entwickelt, in Deutschland fand er ab den 1980er Jahren zunehmend Verbreitung. Der Term setzt sich aus den Elementen „outside“, „resources“ und „using“ zusammen. Es geht also um die Nutzung von Ressourcen, die nicht dem Unternehmen gehören. Im Deutschen wird meist von Auslagerung oder Fremdbezug gesprochen. Darüber hinaus hat sich der Anglizismus auch als Verb „outsourcen“ oder, dudenkonform, „aussourcen“ etabliert. Gemeint ist aber stets, dass ein Unternehmen Geschäftsprozesse nicht mehr selbst abwicklet, sondern von einem anderen Unternehmen durchführen lässt. Das Aussourcen kann dabei sowohl die Produktion, als auch den Dienstleistungsbereich betreffen.

Die dahinter stehenden Entscheidungen werden oft unter dem Begriff „Make-or-Buy“ zusammengefasst. Diese Entscheidungen sind von langfristiger Bedeutung und beeinflussen ein Unternehmen auf strategischer Ebene.

Formen des Outsourcens

Beim Outsourcen wird zum einen danach unterschieden, von wem die benötigten Leistungen künftig bezogen werden sollen. Neben dieser quellenorientierten Kategorisierung wird aber auch danach differenziert, welche Prozesse ausgelagert werden sollen.

Internes und externes Outsourcen

Das externe Outsourcen ist die klassische Variante. In diesem Fall werden bestimmte Geschäftsprozesse auf einen konzernfremden Anbieter übertragen. Bauteile werden dann von einem unabhängigen Zulieferunternehmen bezogen oder die Lohnbuchhaltung an ein Steuerberatungsbüro delegiert. Bei der internen Ausgliederung wird dagegen eine Tochtergesellschaft gegründet, die für den gesamten Konzern bestimmte Dienstleistungen erbringt. Dabei kann es sich um die Herstellung von Vorprodukten für die Produktion oder um Dienstleistungen handeln. Im Energiesektor war es zum Beispiel schon lange, bevor dies gesetzlich vorgeschrieben wurde, üblich, den Vertrieb organisatorisch von der Produktion, also den Kraftwerken, und der Verteilung über die Netzte abzutrennen. Viele größere Unternehmen gründen Servicegesellschaften, die für die Konzernunternehmen Sekundäraufgaben erledigen. Dazu zählt meist die Buchhaltung, die Beschaffung von Büromaterial, der gesamte Maintenance-Bereich, die Organisation von Dienstreisen oder die Verwaltung des Fuhrparks. Auch die Bereiche Forschung und Entwicklung werden oft auf Tochtergesellschaften ausgelagert. In besonders effizienten Unternehmen müssen sich die internen Dienstleister mit der externen Konkurrenz messen, manche Unternehmen führen sogar Ausschreibungen durch und vergeben den Auftrag nur dann an den internen Dienstleister, wenn dieser das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Prozessorientierte Kategorien

Hier wird meist zwischen drei Varianten unterschieden. Beim „Business Process Outsourcing“ werden komplette Geschäftsprozessen, zum Beispiel das gesamte Rechnungswesen, ausgelagert. Werden nur hochkomplexe Aufgaben, wie zum Beispiel die Herstellung eines bestimmten Computerchips oder das Anmelden von Patenten, ausgelagert, spricht man vom „Knowledge Process Outsourcing“. Beim Outtasking werden einzelne, gut abgrenzbare Aufgabengebiete ausgelagert. Ein Beispiel ist etwa die Ausgliederung der Lohnbuchhaltung oder die externe Wartung bestimmter Maschinen.

Motive für das Outsourcen

Die Gründe sind überwiegend ökonomischer, manchmal aber auch juristischer Natur. Wirtschaftlich betrachtet hat der Fremdbezug von Sekundärleistungen zahlreiche Vorteile. Aufgrund der hohen Spezialisierung des Dienstleisters ist oftmals eine Kostensenkung bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung möglich. Solche Effizienzgewinne werden meist in der Fertigung realisiert. Bei Dienstleistungen wird die Kostenersparnis dagegen oftmals mit einem Qualitätsverlust erkauft. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Kundenservice. Inhouse-Call-Center sind regelmäßig deutlich teurer, da hier der Haustarif des Unternehmens bezahlt werden muss. Externe Call-Center-Betreiber vergüten ihren Beschäftigten dagegen kaum mehr als den Mindestlohn. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Qualifikation und die Motivation der Beschäftigten und damit auf das Serviceniveau aus, das der Kunde wahrnimmt.

Neben ökonomischen Gründen gibt es aber, insbesondere in den sogenannten vertikal integrierten Industrien, auch gesetzliche Vorgaben, die ein „Unbundling“ und damit auch ein Outsourcen erzwingen, wobei es sich in diesen Sektoren oftmals nicht um Sekundärfunktionen, sondern um zentrale Geschäftsprozesse handelt. Zu den vertikal integrierten Industrien zählen alle Unternehmen, die neben wettbewerbsmäßigen Leistungen auch solche anbieten, die ein natürliches Monopol darstellen. Dazu zählen insbesondere die Strom-, Gas- und Wasserversorger, da deren Netzte regelmäßig lokale Monopole bilden, während Produktion und Vertrieb im Wettbewerb stehen. Gas- und Stromkonzernen wurde das Aussourcen gesetzlich vorgeschrieben, damit keine Quersubventionierung zwischen den monopolistischen Netzen und dem im Wettbewerb stehenden Vertrieb mehr möglich ist.

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