Ganz allgemein gilt die Nachtruhe in Deutschland auf Grundlage der Immissionsschutzgesetze des Bundes und der Länder werktags zwischen 22 und 6 Uhr und dient vor allem der Lärmschutz. Eine Sonderrolle nimmt der Sonntag ein, an dem Lärm ganztägig zu vermeiden ist. Im Mietrecht wird die Nachtruhe regelmäßig durch eine Hausordnung konkretisiert, die Bestandteil des Mietvertrages ist und die die Mieter entsprechend zu respektieren haben.

Ganz konkret haben Mieter während der Nachtruhe Lärm zu vermeiden. So sind handwerkliche Arbeiten, laute Musik, staubsaugen oder laute Gespräche zu unterlassen. Bei einem Zuwiderhandeln droht in mietrechtlicher Hinsicht zunächst eine Abmahnung und in Extremfällen sogar eine fristlose Kündigung.

Die Nachtruhe ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein feststehender Begriff, der vorzugsweise für die Bewohner von Mehrfamilienhäusern sowie von größeren Wohnanlagen gilt. Wie das Wort ausdrückt, handelt es sich dabei um den Zeitraum des nächtlichen Ruhens, aufgeteilt in die späten Abend- und die frühen Morgenstunden sowie auf den Zeitraum dazwischen. In diesen Stunden gilt eine sozusagen gesetzlich verordnete Ruhe. Insgesamt gelten als Nachtzeit etwa acht bis neun Stunden. Zu den diese Ruhe beeinträchtigenden Geräuschen und Störungen gehören die folgenden Lärmbelästigungen

• Fluglärm
• Freizeitlärm
• Gewerbelärm
• Ruhestörung
• Schienenverkehrslärm
• Sportlärm
• Straßenverkehrslärm

Ein ganz eigener Bereich ist die Nachtruhe unter den Bewohnern mit Mietern und Wohnungseigentümern. Hierbei kommt es nicht auf die Eigentumsverhältnisse an, sondern ausschließlich auf die Rücksichtnahme unter den Mitbewohnern im Gebäude. In Deutschland gibt es mehrere Rechtsgrundlagen als Gesetze und Verordnungen, darunter

• das Bundesimmissionsschutzgesetz BImSchG
• die Landesimmissionsschutzgesetze
• die Europäische Richtlinie zum Umgebungslärm
• die örtlichen Satzungen in Städten und Gemeinden, unter anderem in Erholungs- oder in Badeorten
• die Hausordnung für das einzelne Wohngebäude beziehungsweise für die Wohnanlage

Zu den Aufgaben von Vermieter und Hausverwalter gehört es, eine Grundlage für ein gedeihliches Miteinander der Hausbewohner zu schaffen. Die Möglichkeit dazu bietet eine Hausordnung. Wie das Wort sagt, handelt es sich dabei um eine Ordnung als Vorschrift für alle betreffenden Hausbewohner. Einer der Punkte, die in dieser Hausordnung geregelt oder vorgegeben werden, ist die Nachtruhe. Mit der Unterzeichnung des Mietvertrages oder der Hausordnung selbst erklären sich alle Hausbewohner damit einverstanden, die darin vorgegebenen Nachtruhezeiten einzuhalten und zu beachten. Als gängige, allgemein anerkannte Nachtruhezeit gelten die Stunden

• von 22.00 Uhr bis um 6.00 oder spätestens 7.00 Uhr des Folgetages an Werktagen
• von 22.00 Uhr bis um 7.00 oder spätestens 8.00 Uhr des Folgetages an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen

Um auch die auf Tageszeiten bezogenen Ruhezeiten zu erfassen, wird die Nacht- um die Hausruhezeit ergänzt. Darunter werden verstanden

• die tägliche Mittagsruhe zwischen 13.00 und 15.00 Uhr
• alle Stunden ganztägig rund um die Uhr am Wochenende sowie an Sonn- und Feiertagen

Zu den Nachtruhezeiten müssen sich alle Bewohner so verhalten, dass auf vermeidbaren Lärm & Ruhestörung verzichtet wird. Beispiele dafür sind handwerkliche Arbeiten, Staubsaugen, Akustik über die Zimmerlautstärke hinaus mit Fernsehen, Musik, Sprechen, Schreien und Singen, bis hin zu lautstarkem Zank & Streit. Während Duschen und Baden in früherer Zeit Nachtruhestörungen waren, ist das heutzutage nicht mehr der Fall. Gesetzgebung und Rechtsprechung haben erkannt, dass sich durch unterschiedliche Lebens- und Tagesabläufe, durch Schichtarbeit sowie aufgrund vielfältiger 24h-Aktivitäten der Hausbewohner zwangsläufig auch verschiedenartige Lebens- und Wohnrhythmen ergeben. Wer morgens um 04.00 Uhr die Fahrt zum Flughafen antritt, der steht ein, zwei Stunden vorher auf und nimmt ein Dusch- oder Wannenbad. Wie es heißt, müssen die Mitbewohner damit leben.

Die Ruhe bei Nacht ist im heutigen Multikulti ein unvermeidbares Spannungsfeld. Die einen machen die Nacht zum Tag, während andere, die nachts arbeiten, den Tag nicht zur Nacht machen können. Die Hausordnung ist lediglich eine Vorgabe, die jetzt von den Hausbewohnern eingehalten und in dem Sinne mit Leben gefüllt werden muss. In einem Mietshaus kann der Vermieter durch die Auswahl der Mieter ganz wesentlich Einfluss darauf nehmen, dass die Bewohner zu ihrem Nachtruherecht kommen. Diese Situation ist von der Hausverwaltung innerhalb einer Gemeinschaft von Wohnungseigentümern nicht so einfach zu lösen; denn hier fehlt das „allerletzte Druckmittel“ der außerordentlichen Kündigung.

Doch soweit muss es nicht kommen. Zu einem verträglichen Miteinander innerhalb der Gesellschaft gehört auch die notwendige Rücksichtnahme auf Mitbewohner. Wer sich so verhält, für den ist die Hausordnungs-Nachtruhe keine Vorschrift, sondern eher ein Anhaltspunkt, um sich daran zu orientieren. Die junge Familie mit Kleinkind ist den Nachbarn dafür ebenso dankbar wie der älteste Hausbewohner, der auf seinen Nachmittagsschlaf einfach nicht verzichten kann.

Insofern ist im Wohnalltag viel guter Wille ebenso gefragt wie erfolgreich!

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