Ganz allgemein ist eine Gewerkschaft eine Organisation von Arbeitnehmern, die sich für eine effizientere Vertretung ihrer Interessen zusammengeschlossen haben und diese gegenüber Arbeitgebern oder der Politik zum Ausdruck bringen. Häufige Ziele sind dabei der Abschluss von Tarifverträgen, Lohnerhöhungen oder ganz allgemein besseren Arbeitsbedingungen.

In arbeitsrechtlicher Hinsicht ist jedoch nicht jede Arbeitnehmerorganisation auch eine Gewerkschaft. Die Rechtsprechung verlangt insoweit eine auf Dauer angelegte freiwillige privatrechtliche Organisation, die tarifwillig und von der Arbeitgeberseite unabhängig ist. Weitere Voraussetzung ist die Anerkennung des Tarif- und Arbeitskampfrechts sowie eine demokratische Grundordnung. Darüber hinaus muss eine Gewerkschaft so organisiert sein, dass sie in der Lage ist, Druck auf den oder die Arbeitgeber ausüben zu können.

Voraussetzungen für die Gründung einer Gewerkschaft
Das im Grundgesetz verankerte Recht, Vereine zu bilden, ermöglicht es jedermann, eine Gewerkschaft zu gründen. Damit eine Personenvereinigung aber als Gewerkschaft im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes anerkannt wird, muss sie einige Voraussetzungen erfüllen. Die wichtigste ist nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG – Beschluss vom 19. September 2006 – 1 ABR 53/05) die sogenannte Tariffähigkeit. Die Tariffähigkeit setzt insbesondere voraus, dass eine Arbeitnehmervereinigung

– die Interessen ihrer Mitglieder als abhängig Beschäftigte vertritt,
– diese Zielsetzung in der Satzung verankert hat,
– frei, unabhängig und überbetrieblich organisiert ist,
– nicht mit der Arbeitgeberseite verflochten ist,
– willens ist, Tarifverträge abzuschließen,
– das geltende Tarifrecht anerkennt,
– schlagkräftig genug ist, um wirksam Druck auf die Arbeitgeberseite auszuüben.

Die Streikbereitschaft ist dagegen nur ein typisches, aber kein zwingendes Merkmal für eine Gewerkschaft. Ist eine Gewerkschaft stark genug, um Tarifverträge auszuhandeln, hat sie dabei das Tarifvertragsgesetz (TVG) zu beachten.

Welche Aufgaben hat eine Gewerkschaft?
Eine Gewerkschaft vertritt die Interessen der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört das Aushandeln von Tarifverträgen, die angemessene Löhne, sozialverträgliche Arbeitsbedingungen und die Durchsetzung sozialer Standards, wie zum Beispiel die Geschlechterparität („Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“), zum Gegenstand haben. Darüber hinaus können Gewerkschaft Betriebsratskandidaten stellen. In Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten sind Gewerkschaft zudem oftmals als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat präsent. Viele Gewerkschaft erbringen darüber hinaus Dienstleistungen für ihre Mitglieder. Dazu zählen insbesondere:

– Beratung bei arbeitsrechtlichen Fragen (Abmahnung, Kündigung, Diskriminierung im Beruf, etc.)
– Vertretung bei Streitigkeiten vor dem Arbeitsgericht,
– Schulung von Betriebsräten,
– Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen,
– soziale Angebote

Welche Rechte haben Gewerkschaft im Betrieb?
Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verlangt in § 2 Abs. 1, dass Arbeitgeber und Betriebsrat unter Beachtung der geltenden Tarifverträge vertrauensvoll und gemeinsam mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaft zusammenarbeiten. Damit die Gewerkschaft sich auch tatsächlich einbringen können, steht ihnen gemäß § 46 Abs. 1 BetrVG das Recht zu, an den Betriebs- oder Abteilungsversammlungen eines Unternehmens beratend teilzunehmen, sofern sie im Betrieb vertreten sind. Diese Voraussetzung gilt als erfüllt, sofern wenigstens ein Arbeitnehmer des Betriebs Mitglied der jeweiligen Gewerkschaft ist. Gemäß § 31 BetrVG kann auf Antrag von einem Viertel der Mitglieder des Betriebsrats ein Beauftragter einer im Betriebsrat vertretenen Gewerkschaft an den Sitzungen beratend teilnehmen; in diesem Fall sind der Zeitpunkt der Sitzung und die Tagesordnung der Gewerkschaft rechtzeitig mitzuteilen.

Die wichtigsten Gewerkschaft in Deutschland
Die größte deutsche Gewerkschaft ist die IG Metall. Die Vereinigung wurde 1949 in Frankfurt am Main gegründet und hat etwa 2,26 Millionen Mitglieder. Damit ist der Verband derzeit auch die größte Arbeitnehmerorganisation weltweit. Die IG Metall vertritt die Interessen der Beschäftigten aus der Metall-, Stahl-, Elektro-, Textil-, Holz- und Kunststoffindustrie sowie der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche.

Die Nummer zwei in Deutschland ist die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, der etwa 1,9 Millionen Mitglieder angehören. Ver.di entstand im Jahr 2001 aus einem Zusammenschluss verschiedener Arbeitnehmerverbände im Dienstleistungsbereich. Sie hat ihren Sitz in Berlin. Die Vereinigung ist insbesondere für Beschäftigte im Finanzdienstleistungssektor, im Einzelhandel sowie im öffentlichen Dienst aktiv.

Die drittstärkste Gewerkschaft ist die 1997 gegründete IG Bergbau, Chemie, Energie mit Sitz in Hannover. Die Vereinigung vertritt Arbeitnehmer aus den namensgebenden Branchen und hat etwa 600.000 Mitglieder.

Von Bedeutung sind des Weiteren die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und die Gewerkschaft der Polizei.

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