Wie berechne ich die Kündigungsfrist?

Von 5. Februar 2018Arbeitsrecht

Kündigungsfristen gehören in der Praxis zu den häufigsten Streitthemen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und sind oftmals Gegenstand von entsprechenden Gerichtsverfahren. Der nachfolgende Beitrag soll Ihnen die Grundlagen in Bezug auf Kündigungsfristen näherbringen und zudem Hilfestellung bei der richtigen Berechnung der Kündigungsfrist Ihres Arbeitsverhältnisses geben.

Die Kündigungsfrist ergibt sich entweder aus dem Ihrem Arbeitsverhältnis zugrundeliegenden Arbeitsvertrag, einem auf Ihr Arbeitsverhältnis anzuwendenden Tarifvertrag oder aus dem Gesetz.

Achtung! Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer müssen auch Zeiten, die vor dem 25. Lebensjahr des Arbeitnehmers liegen, berücksichtigt werden. § 622 Abs. 2 S. 2 BGB ist nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes nicht anwendbar.

Achtung! Zum Nachteil des Arbeitnehmers dürfen die gesetzlichen Kündigungsfristen grundsätzlich nicht verkürzt werden.

Achtung! Es spielt also für den Fristbeginn keine Rolle, welches Datum das Kündigungsschreiben trägt oder wann Sie die Kündigung abgeschickt haben.

Nach der Ermittlung der Fristdauer und des Fristbeginns, lässt sich das Fristende bestimmen. Regelmäßig ist die Kündigungsfrist nach Wochen oder Monaten festgelegt und zudem ein bestimmter Kündigungstermin (meist zum 15. eines Monats oder zum Monatsende) vorgeschrieben. Nur aus dem Zusammenspiel all dieser Informationen kann sich die Kündigungsfrist ergeben.

Praxishinweis

Die Kündigung wird zu dem Kündigungstermin wirksam, der auf das Ende der Kündigungsfrist folgt!

Für Wochenfristen gilt: Der Tag, an dem die Kündigung zugeht, entspricht dem Wochentag, an dem die Frist endet. Geht eine Kündigung bei einer Fristdauer von vier Wochen also an einem Mittwoch zu, endet die Frist auch mit Ablaufs des Mittwochs (also bis 24 Uhr) in vier Wochen.

Für Monatsfristen gilt: Hier gilt das Vorhergesagte zu den Wochenfristen entsprechend. Allerdings ist bei Monatsfristen nicht auf den Wochentag abzustellen, sondern auf den Kalendertag. Geht eine Kündigung bei einer Fristdauer von einem Monat also am 3. Eines Monats zu, endet die Frist auch mit Ablauf des 3. des Folgemonats.

Beispiel

Geht eine Kündigung also wie oben gesagt bei einer Fristdauer von 4 Wochen und einem Kündigungstermin zum Monatsende an einem Mittwoch (01.10.) zu, endet die Frist an dem in vier Wochen folgenden Mittwoch (29.10.). Eine Kündigung zum 31.10 wäre damit wirksam.

Dagegen wäre bei einer Kündigungsfrist von einem Monat eine Kündigung zum 31.10 nicht mehr möglich. Denn dann würde die Kündigungsfrist erst am 01.11. enden. Eine Kündigung wäre also erst zum 31.11 wirksam.

Zu beachten ist zudem, dass eine Kündigung, die einer falsch berechneten Kündigungsfrist zu Grunde liegt, nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in eine Kündigung zum nächstmöglichen Termin umgedeutet werden kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann auch hilfsweise die Kündigung zum nächstmöglichen Termin erklärt werden. In der Kündigungserklärung genügt es im Übrigen, Kündigungstermin und Kündigungsfrist anzugeben.

Achtung! Die Frist für eine Kündigungsschutzklage beträgt drei Wochen nach Zugang der Kündigung. Wer keine Klage erhebt riskiert, dass eine Kündigung mit falsch berechneter Frist unter Umständen wirksam wird.

Das Arbeitsrecht ist ein sehr breit gefächertes Rechtsgebiet. Als Anwälte für Arbeitsrecht beraten und vertreten wir Sie gerne in allen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten.

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Jan Ottmann

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